Woran glauben Praktizierende eines säkularen Dharma?

glauben säkularer dharma

Von Buddha-Stiftung

Veröffentlicht 24. März 2021

Die kurze Antwort auf die Frage, woran Praktizierende eines säkularen Dharma glauben ist, dass es jeder und jedem selbst überlassen bleibt, zu entscheiden, was die beste Interpretation des säkularen Dharma ist. Das heißt aber nicht, dass sich in den letzten Jahrzehnten nicht bestimmte Schwerpunkte herausgebildet hätten. Ganz grob lassen sich zwei Richtungen ausmachen.

Zwei säkulare Richtungen

Manche bezeichnen sich selbst als “säkulare Dharma-Praktizierende” andere als “säkulare Buddhistinnen”.

Säkulare Dharma-Praktizierende

Die eine Gruppe konzentriert sich eher auf aktuelle Erkenntnisse der Biowissenschaften und sieht den Buddhismus als grundsätzlich kompatibel mit den westlichen Naturwissenschaften an. Diese Gruppe steht häufig  einem wissenschaftsbasierten Atheismus nahe.

Unabhängig von ihrer philosophischen Affinität neigen säkulare Dharma-Praktizierende, wenn sie in einer Gemeinschaft zusammenkommen, normalerweise dazu, Weihrauch, Kerzen und religiöse Bilder zu vermeiden. Sie meditieren vielleicht auch eher auf Stühlen als auf Kissen auf dem Boden.

Säkulare Buddhistinnen

Die andere Gruppe verfolgt eine eher individuelle erfahrungsbasierte Herangehensweise, und sieht die Lehren des Buddha mehr in Übereinstimmung mit der westlichen Philosophie der alten Griechen (z.B. Sokrates, Skeptiker) aber auch des des 20. Jahrhunderts wie z.B. der Phänomenologie, des Existentialismus oder der Hermeneutik.

Säkulare Buddhistinnen erkennen für gewöhnlich die Prinzipien des bedingten oder abhängigen Entstehens – Ursache und Wirkung – an. Sie beherzigen auch die Aufforderung des Buddha zur Kultivierung von achtsamem Gewahrsein auf die Art und Weise wie wir Sinneseindrücke wahrzunehmen. Sie streben danach, voll und ganz für das präsent zu sein, was genau jetzt, genau hier, stattfindet. Ebenso schätzen sie ihre Autonomie und Selbstständigkeit, ganz so wie in einem frühen buddhistischen Text beschrieben, der besagt, dass Menschen, die den Pfad betreten haben, “in den Lehren des Buddha unabhängig von anderen” geworden sind.

Rückbesinnung auf die ursprünglichen Texte

Säkulare Buddhistinnen konzentrieren sich meist, aber nicht ausschließlich, auf die frühesten buddhistischen Lehren des sog. Pali-Kanons. Von besonderem Interesse sind die Lehren des Buddha über die vier edlen Wahrheiten, die oft als die Vier Aufgaben neu interpretiert werden und der achtfache Pfad.

Diese Vier Aufgaben lauten wie folgt:

  1. Das Leben umarmen, einschließlich des eigenen Leidens, des Leidens aller anderen und des Leidens der Welt;
  2. Die instinktive Reaktivität loslassen, die uns dazu bringt, nach Erfahrungen zu greifen, sie zu begehren und sie auf unsere persönlichen Ängste, Wünsche und Verblendungen zu reduzieren;
  3. Das Enden der Reaktivität erkennen, sei es auch nur für einen Moment, so dass wir uns Erfahrungen öffnen können, in denen wir nicht mehr von Angst, Anhaftung, Stolz, Eifersucht oder Hass angetrieben werden; und
  4. Von einem Ort der Klarheit aus zu handeln und eine ethische Lebensweise einzuschlagen, in der unsere Menschlichkeit aufblühen kann, in der Art und Weise, wie wir das Leben wahrnehmen, sprechen, handeln, arbeiten, uns einsetzen, aufmerksam sind und unseren Geist ausrichten.

Stephen Batchelor, ein führender Denker und Autor zu diesem Thema, erklärt, dass säkularer Dharma “etwas ist, das man tut, nicht etwas, an das man glaubt.”

 

Dieser Beitrag basiert in Teilen auf der Übersetzung des folgenden Artikels durch die Buddhastiftung mit freundlicher Genehmigung von Tricycle: Im Original veröffentlicht als „What do secular dharma practitioners believe?“ in Buddhism for Beginners in Tricycle: The Buddhist Review

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