Was sind die vier edlen Wahrheiten?

vier besen an wand

Von Buddha-Stiftung

Veröffentlicht 3. Januar 2019

Vier edle Wahrheiten sind der traditionelle Begriff für die Kernaussage des Buddhismus. Sie waren Inhalt der ersten Lehrrede des Buddha und sind an zahlreichen anderen Stellen der buddhistischen Schriften (Pali-Kanon) genannt. Sie sollen helfen, das Leben mit allen Höhen und Tiefen zu durchschauen und aktiv zu bewältigen.

Traditioneller Buddhismus: vier edle Wahrheiten

Im traditionellen Buddhismus spielen die vier edlen Wahrheiten eine zentrale Rolle, die der Buddha ganz am Anfang seiner Unterweisung dargelegt hat:

1. Das Leben ist Leiden
2. Das Verlangen ist der Ursache des Leidens
3. Das Leiden kann beendet werden
4. Der edle achtfache Pfad führt zum Ende des Leidens

Die darin enthaltene Behauptung, dass diese Einsichten von Buddha eine absolute und religiöse Wahrheit seien (Behauptung,  dass Leben identisch mit Leiden ist etc.), ist allerdings fragwürdig. In den alten Texten (Pali-Kanon) finden sich zahlreiche Beleg dafür, dass Gotama, der historische Buddha, das Leben mit Freude als auch Leid bejahte. Dabei nimmt er nicht die Rolle des Heiligen ein, der die absolute Natur bzw. Grundstrukturen der Wirklichkeit (Ontologie) darlegt.

Der Buddha als Arzt

Vielmehr nimmt er die Rolle eines Arztes ein, der bei einer bestimmten Krankheit und Situation mit passender Fürsorge und Zuwendung Heilung und Gedeihen möglich macht. Du kannst dir die Wirkweise der Vier Edlen Wahrheiten im Sinne einer medizinischen Behandlung vorstellen.
Wenn Du zum Arzt gehst (der Buddha) werden deine Symptome (Leiden) erfasst und die zugrunde liegenden Ursachen (Ursache des Leidens) identifiziert. Aus der Diagnose ergeben sich die Behandlungsmöglichkeiten und die Prognose (Ende des Leidens). Abschließend wird ein Therapieplan erstellt (achtfacher Pfad).

Säkularer Buddhismus: Vier Aufgaben

Dementsprechend sind die Vier Wahrheiten keine Wahrheiten, die man glauben muss, sondern eine praktische Anleitung, mit den gegebenen Tatsachen unserer Existenz als sterbliche Menschen (dukkha, Leiden) weise umzugehen. Leiden können wir auch einfach mit “Unangenehmem” oder “Stress” übersetzen.
Die vier Aufgaben haben das Ziel, eine gelassene Haltung zu unserem Leben in seiner Ganzheit einzunehmen. Diese Haltung ist durch Übung erreichbar und ermöglicht es uns, nicht noch zusätzliches Leiden (dukkha) selber zu erschaffen über das hinaus, was im Leben unausweichlich ist, wie Alter, Krankheit und Tod. Im Folgenden wird das anhand der Originaltexte der 4 Aufgaben erklärt.

 VIER AUFGABEN

 1. So ist dukkha. Es kann vollständig erkannt werden. Und es ist vollständig erkannt worden

Nehme das Leben an. Es ist die Aufforderung das Leben in seiner Gesamtheit anzunehmen, d.h. Erfreuliches, aber auch dukkha, Schmerzhaftes, Unangenehmes, Ungewolltes und Schwieriges.

2. So ist das Entstehen. Es kann losgelassen werden. Und es ist losgelassen worden

Das Verlangen kann losgelassen werden wie auch Hass und Verblendung und vor allem Reaktivität. Reaktivität äußert sich im Verlangen, vielleicht nach etwas Angenehmem was wir nicht haben; in Hass, vielleicht auf eine Person, die uns missfällt; und Verblendung und Nicht-Wahrhaben-Wollen, vielleicht um nicht mit der realen Situation konfrontiert zu sein. Solche Reaktionen gehören teilweise zur evolutionären Überlebensstrategie der menschlichen Spezies. Wir müssen uns allerdings nicht mit ihnen identifizieren, wir können uns darin üben, sie loszulassen.

3. So ist das Aufhören. Es kann erfahren werden. Und es ist erfahren worden.

Erfahre das Loslassen. Die Erfahrung, und sei es für kurze Zeit, des Loslassens ist eine Befreiung aus den Fesseln der automatischen und reaktiven Ich-Bezogenheit und ein Gewinn an Freiheit von den eigenen Mustern und Konditionierungen.

4. So ist der Weg. Er kann kultiviert werden. Und er ist kultiviert worden.

Handle und setze den achtfachen Pfad um. Es ist der Wunsch und das Engagement eine Kunst des Lebens zu entwickeln, die mit Mitgefühl, Aufrichtigkeit und Kreativität den Situationen des Lebens gerecht wird. Diese Art des authentischen und  ethischen Lebensweges  ist im achtfachen Pfad beschrieben.

 

Mehr zum Thema…