Was sind die Drei Daseinsmerkmale, die Buddha erkannt hat?

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Von Buddha-Stiftung

Veröffentlicht 19. April 2021

Der Buddha lehrte, dass alle Phänomene, einschließlich Gedanken, Emotionen und Erfahrungen, durch drei sog. “Daseinsmerkmale” gekennzeichnet sind: Unbeständigkeit oder Vergänglichkeit (anicca), Leiden oder Unzufriedenheit (dukkha),  und Nicht-Selbst (anatta). Diese drei Merkmale treffen auf alle bedingten Dinge und Phänomene zu. Dem Buddha zufolge sind das vollständige Verständnis und die Anerkennung der drei Daseinsmerkmale eine entscheidende Voraussetzung, um Erwachen zu verwirklichen. Sowohl die Theravada- als auch die Mahayana-Traditionen erkennen dieses grundlegende Konzept an, im Theravada wird es jedoch stärker betont.

Vergänglichkeit (anicca)

Alles verändert sich, lehrte der Buddha. Das mag verstandesmäßig offensichtlich erscheinen, aber dennoch hängen wir oft an Dingen, Menschen oder Umständen, als würden sie permanent existieren. Wenn wir beispielsweise Dinge verlieren, von denen wir glauben, dass wir ohne sie nicht leben können, oder wenn wir schlechte Nachrichten erhalten, von denen wir glauben, dass sie unser Leben zerstören werden, erleben wir eine Menge Stress. Nichts ist von Dauer, auch nicht unser Leben.

Leiden (dukkha)

Dukkha, Leiden oder Unzufriedenheit, ist eines der am meisten missverstandenen Konzepte im Buddhismus. Das Leben ist dukkha, sagte der Buddha, aber er wollte damit nicht ausdrücken, dass das Leben ausschließlich aus Unglücklichsein und Enttäuschung besteht. Vielmehr meinte er, dass es letztlich nicht befriedigend sein kann. Selbst wenn etwas befriedigend ist – eine angenehme Zeit mit Freunden, ein wunderbares Essen, ein neues Auto – ist die Zufriedenheit nicht von Dauer, weil alle Dinge vergänglich sind.

Nicht-Selbst (anatta)

Anatta, Nicht-Selbst, Nicht-Wesenhaftigkeit oder “Ichlosigkeit” – ist schwieriger zu begreifen. Der Buddha lehrte, dass es kein unveränderliches, dauerhaft existierendes Selbst gibt, das unseren Körper bewohnt. Mit anderen Worten verfügen wir über keine feste, absolute Identität, auch wenn sich das im Alltag so anfühlt. Die Wahrnehmung eines “Ich”, das als eigenständiges, singuläres Wesen durchs Leben geht, ist eine Illusion, sagte er. Was wir als “Ich” bezeichnen, ist ein Konstrukt aus physischen, mentalen und sensorischen Prozessen, die voneinander abhängig und ständig im Fluss sind. Das Ich ist eine Konstruktion unseres Geistes, das sich jedoch nirgends verorten oder festmachen lässt, weder durch wissenschaftliche Methoden noch durch Introspektion in der Meditation. In diesem Sinne sind wir Ich-los. Diese Erkenntnis hindert uns jedoch nicht, im Alltag mit anderen notwendigerweise zwischen ich und du zu unterscheiden.

Es ist die Illusion eines getrennten, dauerhaft existierenden Selbst, die uns an Leiden und Unzufriedenheit kettet, sagte der Buddha. Wir stecken den größten Teil unserer Energie in den Schutz dieses Selbst, versuchen es zu befriedigen und klammern uns an unbeständige Dinge, von denen wir glauben, dass sie es verbessern werden. Aber der Glaube an ein getrenntes, dauerhaftes Selbst führt zu dem Verlangen, das den vier edlen Wahrheiten gemäß die Wurzel unseres Leidens und unserer Unzufriedenheit ist.

Weiser Umgang mit den drei Daseinsmerkmalen

Die Lehren des Buddha, insbesondere die Praxis des Achtgliedrigen Pfades, liefern die Medizin zur Heilung dieser Illusionen, so dass wir weniger egozentrisch werden und weniger an unbeständigen Dingen hängen. Indem wir die Existenz, Wirksamkeit und Folgen der Drei Daseinsmerkmale in der (Meditations-) Praxis erforschen, entwickeln wir die Fähigkeit zum Loslassen und entwickeln Eigenschaften wie Gleichmut – die Fähigkeit, uns nicht von unseren Vorlieben und Abneigungen hin- und herreißen zu lassen – und Gelassenheit.

Teile des Beitrags entstammen unserer Übersetzung des Artikels veröffentlicht als „The Buddha’s “three marks of existence“ in Buddhism for Beginners in Tricycle: The Buddhist Review. Mit freundlicher Genehmigung unserer Freunde von Tricycle.

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