Was lehrt der säkulare Buddhismus über Erleuchtung?

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Von Buddha-Stiftung

Veröffentlicht 18. April 2021

Menschen mit einer säkularen Dharma-Praxis streben danach, auf jeden Aspekt ihrer Erfahrung ihren ethischen Werten gemäß zu reagieren. Ihr Ziel ist es, als menschliche Wesen zu gedeihen und nicht eine Art “Erleuchtung” zu erreichen. Säkulare Dharma-Praktizierende meditieren auch nicht, um in ihrer Praxis immer versierter zu werden, um damit einen bestimmten Zustand zu erreichen, wie z.B. ein Verständnis der “letztendlichen Natur der Realität” oder Befreiung von Samsara, dem Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt.

 

Keine letztendliche Realität oder wahre Natur

Die säkulare Dharma-Praxis arbeitet mit dem “Selbst”, d.h. der eigenen Identität, und der Welt. Die Arbeit der Praktizierenden besteht darin, beides zu verstehen und gemäß den Werten und der Vision des Dharma zu transformieren. Dies wird nicht erreicht, indem wir das Selbst und die Welt transzendieren, sondern indem wir das Selbst und die Welt, in der wir leben, kultivieren und erschaffen. Diese Aufgabe erfordert Engagement, nützliche Fähigkeiten, Kreativität und Vorstellungskraft.

 

Nirvana ist die Erfahrung von Freiheit der eigenen reaktiven Muster

Die dritte Aufgabe des säkularen Dharma – das Aufhören der Reaktivität zu sehen und jeden Moment zu erfahren – bezieht sich auf ihre Auslegung des Pali-Wortes nibbana (Sanskrit: nirvana). Nirvana wird im traditionellen Buddhismus traditionell mit “Erleuchtung” gleichgesetzt. Im Englischen kann das Wort “enlightenment” wie das Wort „Erleuchten“ im Deutschen auch auf das An- und Ausschalten eines Lichtschalters hinweisen: entweder man ist erleuchtet oder man ist es nicht. Für säkulare Dharma-Praktizierende ist jedoch das Pali-Wort bodhi, “Erwachen”, viel zutreffender, das auch der Buddha selbst benützt hat.

“Erleuchtung” impliziert eine dauerhafte Veränderung des Zustands, die jemanden über den Bereich des Leidens hinausführt. Im Gegensatz dazu ist “Erwachen” eine Erfahrung, so vergänglich wie jede andere, aber eine, die – wenn wir sie oft genug gemacht haben – einen prägenden Einfluss darauf hat, wer wir sind und wie wir unser tägliches Leben leben. Als Beispiele für diese Art des Erwachens können wir Buddha´s Metaphern des Zimmermanns, des Bauern oder des Pfeilschmieds heranziehen. Diese Metaphern für das “Erwachens” beschreiben Handwerker, deren erwachtes Leben eine schöpferische und gleichzeitig geerdete Tätigkeit ist und kein Verweilen in einem jenseitigen Endzustand.

 

Teile des Beitrags entstammen unserer Übersetzung des Artikels veröffentlicht als „What does secular dharma teach about enlightenment?“ in Buddhism for Beginners in Tricycle: The Buddhist Review. Mit freundlicher Genehmigung unserer Freunde von Tricycle.

 

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