Was hat der Buddha mit Leiden gemeint?

leiden dukkha

Von Buddha-Stiftung

Veröffentlicht 19. April 2021

Traditionell wird die erste Edle Wahrheit (erste der Vier Aufgaben) des Buddha meistens mit “Leben ist Leiden” wiedergegeben, was jedoch nicht ganz zutreffend ist. Wie so häufig geht bei der Übersetzung alter Texte und Begriffe viel verloren, weshalb manche bevorzugen dukkha gar nicht zu übersetzen.

Das Pali-Wort dukkha, das er verwendete und das gewöhnlich mit “Leiden” übersetzt wird, hat eine weitaus subtilere Bandbreite von Bedeutungen. Manchmal wird dukkha metaphorisch als ein Rad beschrieben, das unrund läuft. Eine wörtlichere Übersetzung der ersten edlen Wahrheit könnte lauten: “Das Leben ist nicht dauerhaft befriedigend oder wird als ungenügend empfunden.”

 

Drei Formen von Leiden (dukkha)

Der Buddha lehrte, dass es drei Formen von dukkha gibt. Die erste Form von dukkha ist körperlicher und geistiger Schmerz, der durch die unvermeidlichen existentiellen Tatsachen des Menschseins wie Alter, Krankheit und Tod verursacht wird, die das Leben mit sich bringt.

Die zweite Form von dukkha ist das Leid, das wir aufgrund von Unbeständigkeit und Veränderung empfinden, wie der Schmerz, nicht zu bekommen, was wir wollen, und zu verlieren, was uns lieb und teuer ist.

Und schließlich die dritte Form, die in einer Art existenziellem Leiden besteht, der Angst, ein verkörpertes und sterbliches Wesen zu sein, das der Bedingtheit der Existenz  unterworfen ist, d.h. das Leben nie ganz unter Kontrolle zu haben.

 

Die Wurzel des Leidens ist Verlangen

Die Wurzel aller Formen von dukkha ist das Verlangen oder die Anhaftung. Wir gehen durch das Leben, indem wir nach dem greifen oder uns an das klammern, von dem wir glauben, dass es uns befriedigt, und das vermeiden, was wir nicht mögen.

Die zweite Aufgabe (edle Wahrheit) sagt uns, dass genau dieses Greifen, Anhaften oder Vermeiden die Quelle von dukkha ist. Wir sind wie Ertrinkende, die nach etwas, das vorbeischwimmt greifen, um uns zu retten. Nur um zu entdecken, dass das, woran wir uns festgehalten haben, lediglich eine momentane Erleichterung oder vorübergehende Befriedigung bietet. Was wir begehren, ist nie genug und hält nie an.

 

In der Übungspraxis erfahren, dass Freiheit vom Leiden möglich ist

Die dritte Aufgabe (edle Wahrheit) versichert uns, dass es einen anderen Weg gibt, das Leiden zu beenden, und dieser Weg besteht, wie in der vierten Aufgabe (edlen Wahrheit) erklärt wird, in der Praxis des Achtgliedrigen Pfades. Indem wir dem Übungsweg des Buddha folgen, entwickeln wir eine Form der Zufriedenheit, die nicht von äußeren Objekten oder Ereignissen in unserem Leben abhängig ist, sondern aus einem kultivierten Geisteszustand hervorgeht, der sich nicht verändert, wenn sich die Umstände ändern. Wir lernen mit den Wellen zu surfen und kämpfen nicht gegen sie an. Selbst körperliche Schmerzen können durch die Bewusstheit eines kultivierten Geistes als weniger belastend empfunden werden.

 

Der Irrtum: Leben = Leiden

Die Lehre der Vier Aufgaben (vier edle Wahrheiten) besagt also nicht, dass das Leben dazu bestimmt ist, nichts als Leiden zu sein oder damit gleichzusetzen sei, sondern dass uns die Mittel immer zur Verfügung stehen, um Befreiung vom Leiden zu finden. In diesem Sinne ist der Buddhismus nicht pessimistisch, wie viele Menschen annehmen, sondern optimistisch.

 

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Teile des Beitrags entstammen unserer Übersetzung des Artikels veröffentlicht als „What did the Buddha mean by suffering?“ in Buddhism for Beginners in Tricycle: The Buddhist Review. Mit freundlicher Genehmigung unserer Freunde von Tricycle.

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