Stimmt es, dass Buddhisten meinen “Leben ist Leiden” – Gibt es nicht auch Freude im Leben?

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Der Mensch strebt nach Glück

Der Buddhismus wird fälschlicherweise oft als pessimistisch angesehen, weil der Begriff “Leiden” ein zentraler Begriff im Buddhismus ist.

Das heißt aber nicht, dass der Buddha gesagt hätte, dass das Leben nur aus Leiden besteht oder unsere Existenz an sich ausschließlich aus Leiden bestehen würde .

Natürlich gibt es Freude und Glück und uns allen gemeinsam ist, dass jeder danach strebt. Das sehen auch die Buddhisten so. Der Dalai-Lama hat das zu einer seiner zentralen Botschaften gemacht.

Leiden – Der Faktencheck

Dennoch wird jeder von uns in seinem Leben auch Leid erfahren. Dies ist unausweichlicher Bestandteil unseres Daseins.

Dabei geht es um verschiedene Formen von Leiden: Alter, Krankheit, körperliche und seelische Schmerzen und Tod gehören dazu, aber auch z.B. der Verlust einer nahestehenden Person oder des Arbeitsplatzes.

Auch die Leiden des täglichen Lebens gehören dazu: Wenn wir etwas nicht bekommen, was wir gern hätten, sei es etwas Materielles wie eine bestimmte Wohnung, einen Job oder auch nicht materielle Dinge wie Zuneigung oder Anerkennung.

Und wenn wir etwas erdulden müssen, was wir nicht mögen und oft auch nicht ändern können, beispielsweise Stress mit einer Person am Arbeitsplatz oder einen vermeintlichen Makel an uns selbst.

Selbst die “kleinen” Ärgernisse des Alltags können Leiden verursachen: wir ärgern uns, wenn uns jemand die Vorfahrt nimmt oder wenn wir in der Supermarktschlange warten müssen, in der es immer am längsten dauert.

Solche Leiden erfährt jeder von uns. Wir können sie nicht gänzlich vermeiden und oft auch nicht ändern.

Den Dingen ins Auge sehen, wie sie sind

Wichtig ist dabei einfach die Tatsache anzuerkennen, dass wir nicht davon ausgehen können, dass es uns immer und überall gutgehen wird. Solange wir Zähne haben können wir Zahnweh bekommen.

Wir können auch erkennen, dass alle Menschen um uns herum und sonst wo auf der Welt Probleme haben und Leid erfahren werden, egal wie wohlhabend, schön oder erfolgreich sie sind.

Unser eigener Beitrag zum Leiden

Oft ist unser eigener Anteil am Stress oder Leiden grösser, als wir normalerweise wahrnehmen. Nämlich den, den wir zu den ohnehin bestehenden Leiden selbst noch hinzufügen, indem wir zum Beispiel

-in unveränderbaren Situationen in Gedankenschleifen kreisen und uns z.B. immer wieder fragen “warum ich” oder „warum jetzt“,

-uns Vorwürfe machen wegen einer Sache und versuchen, etwas zu ändern, das nicht mehr zu ändern ist,

-etwas unbedingt haben wollen, das für uns nicht erreichbar ist oder etwas loswerden wollen, das nicht vermeidbar ist,

-etwas festhalten wollen, das irgendwann einmal zu Ende geht oder

-unseren Kummer und Schmerz mit Alkohol, Drogen, Aggressivität gegen andere oder anderen Verhaltensmustern vermindern wollen.

Damit machen wir Probleme größer, als sie sein müssten und schaffen zusätzliches Leiden für uns selbst und andere.

Mit den eigenen Mustern kreativ umgehen

Aus buddhistischer Sicht sind nicht die Gedankenschleifen, das Festhalten-Wollen oder unser nicht hilfreiches Verhalten das Problem.

Das Problem ist, dass wir gar nicht bewusst bemerken, dass unsere Gedanken wieder und wieder kreisen und nicht bemerken, dass wir die Möglichkeit und Freiheit haben, auch in einer schwierigen Situation einmal anders zu handeln, als bisher. Das betrifft den Umgang mit uns selbst und anderen.

Das bedeutet es, wenn Buddhisten sagen, das Leiden solle “umarmt” werden, anstatt es loshaben zu wollen.

Das ist nicht einfach und geht nicht von heute auf morgen. Und es benötigt Übung.

Mit regelmäßiger Übung erkennen wir schneller, wie wir uns in einer stress- und leidensvollen Situation fühlen und es eröffnen sich mehr Wahlmöglichkeiten, damit so umzugehen, dass es unser Leiden nicht vergrössert.

Die Werkzeuge dazu liefern die Lehren des Buddha, v.a. die vier edlen Wahrheiten und der achtfache Pfad.