Gibt es eine buddhistische „Kirche“ oder Organisation?

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Alle Buddhisten weltweit betrachten sich als eine Glaubensgemeinschaft, deren Basis die Lehre des Buddha ist (Dharma).

Es gibt jedoch keine offizielle, staatlich enerkannte Organisation, die alle Buddhisten vertreten würde, wie zum Beispiel die katholische oder evangelische Kirche.

Keine Missionare, keine Bekehrung

Buddhas Lehre ist ein persönlicher praktischer Übungsweg und keine Religion, die den Anspruch erhebt, universale Wahrheiten zu besitzen. Es gibt auch keinen Aufforderung des Buddha zur Bekehrung oder Missionierung. Vielmehr fordert der Buddha auf, jede von anderen verkündete Wahrheit oder Meinung (einschliesslich seiner eigenen Lehre) selbst zu überprüfen (z.B. in der Rede an die Kalamer).

Buddhismus in Deutschland

In Deutschland gibt es zahlreiche buddhistische Gruppen unterschiedlicher Tradition, die alle selbstständig sind. Die meisten davon sind Mitglied in der Deutschen buddhistischen Union (DBU).

Buddhismus ist in Deutschland nicht als Religionsgemeinschaft staatlich anerkannt, da bisher dazu noch kein Antrag gestellt wurde. Die DBU arbeitet zurzeit an einem Antrag zur Anerkennung.

Aufgrund der fehlenden Anerkennung des Buddhismus als Religionsgemeinschaft ist es in Deutschland auch nicht möglich, in staatlichen Dokumenten die Religionszugehörigkeit Buddhismus eintragen zu lassen

Buddhismus in Europa

Ähnlich wie in Deutschland haben sich in Europa buddhistische Gruppen zu entsprechenden nationalen Dachorganisationen zusammengeschlossen. Sie sind gemeinsam vertreten in der Europäischen buddhistischen Union (EBU).

Buddhismus weltweit

International gibt es mehrere Dachorganisationen z.B. The World Fellowship od Buddhists oder World Buddhist Sangha Council. Sie vertreten jedoch nur jeweils zwischen 20 und 30 Nationen.

Durch die teilweise sehr engen und oft historisch gewachsenen Verflechtungen in vielen Staaten zwischen buddhistischem Klerus und Staatsorganisationen stehen oft nationale Interessen mehr im Vordergrund als die Förderung einer internationalen Gemeinschaft.

Säkularer Buddhismus

So sehr innerhalb der einzelnen buddhistischen Traditionen betont wird, wie wichtig die Gemeinschaft der Buddhisten und Buddhistinnen (Sangha) sei, so wenig ist oft in der Praxis die Bereitschaft zu erkennen, sich aufeinander zu zubewegen. Statt die Gemeinsamkeiten zu betonen, stehen oft mehr die Abgrenzung zum Beispiel von Glaubensinhalten oder Gruppeninteressen im Vordergrund.

nIm säkularen Buddhismus werden die buddhistischen Grundprinzipien, die allen buddhistischen Traditionen gemeinsam sind (die vier edlen Wahrheiten, achtfacher Pfad) in den Vordergrund gestellt. Durch die Fokussierung auf diese erfahrungsbasierten und handlungsorientierten Grundprinzipien und den Verzicht auf transzendente Glaubensinhalte besteht keine Notwendigkeit einer Abgrenzung. Die Gemeinschaft der Praktizierenden für alle offen.

Säkularer Buddhismus fasst sich deshalb auch als ein Netzwerk auf und hat keine feste Gruppenstruktur.

*Zur Verbesserung der Lesbarkeit wird anstatt „Buddhist und Buddhistin“ in den Artikeln der Buddha-Stiftung entweder nur die weibliche Form „Buddhistin“ oder nur die männliche Form „Buddhist“ verwendet.