Hände-Meditation – Nicht nur eine Anti-Corona-Akivität

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Von Jochen Weber

JOCHEN WEBER, Arzt und MBSR-Lehrer. Zusammen mit seiner Frau Gründer und Manager der Buddha-Stiftung seit 2002. Langjähriger Praktizierender in der säkular buddhistischen Tradition von Stephen Batchelor.

Veröffentlicht 13. April 2020

Achtsamkeit und Anti-Corona-Aktivitäten gehen Hand in Hand

Als Objekt für meditative Achtsamkeit stehen uns neben dem Atem und vielen anderen Objekten auch die Hände zur Verfügung für eine „Hände-Meditation“. Die Hände sind immer verfügbar und sind hochgradig empfindsam für Berührungen, Temperatur und Druck. Wir können uns die Hände zu Nutze machen, um meditative Achtsamkeit im Alltag zu praktizieren.

In Zeiten der Corona-Pandemie können wir Achtsamkeit kombinieren mit Maßnahmen, die das Infektionsrisiko senken. Aus einer Achtsamkeitsübung wird somit gleichzeitig eine Anti-Corona-Aktivität.

In einer Zeit, in der das richtige Händewaschen und das vermehrte Berühren des Gesichts mit den Händen den Unterschied zwischen Infektion und Nicht-Infektion bedeuten kann, erhalten die folgenden einfachen hygienischen Maßnahme begleitet durch achtsames Tun eine elementar lebenserhaltende Bedeutung.

Die „Meditationsanleitung“ des Robert-Koch-Institutes (RKI)

Seit Beginn der Corona-Pandemie ist das Robert-Koch-Institut (RKI) allgemein bekannt. Es empfiehlt als vorbeugende Maßnahme für eine Corona-Virus-Infektion regelmäßiges Händewaschen. Doch die meisten von uns werden zum Hände waschen geistesabwesend etwa Seife und Wasser in die Hände geben, ein paar Mal die Hände aneinander reiben, kurz abspülen und fertig.

 

1. Hände-Meditation: Achtsames Händewaschen

Die Anleitung des RKI zum Händewaschen liest sich dagegen fast wie eine Anleitung zur Übung von Achtsamkeit im Alltag. Das Befolgen der Anleitung zum Händewaschen erfordert Konzentration und vollständige Präsenz für das,was wir tun. Im Folgenden ist diese Anleitung des RKI in Kursivschrift kommentiert und ergänzt um Hinweise, wie Hände waschen als Achtsamkeitsübungen erfolgen kann

Hände gründlich waschen
Schmutz und auch Krankheitskeime abwaschen – das klingt einfach. Richtiges Händewaschen erfordert aber ein sorgfältiges Vorgehen. Häufig werden die Hände beispielsweise nicht ausreichend lange eingeseift und insbesondere Handrücken, Daumen und Fingerspitzen vernachlässigt.
Gründliches Händewaschen gelingt in fünf Schritten:

  1. Halten Sie die Hände zunächst unter fließendes Wasser. Die Temperatur können Sie so wählen, dass sie angenehm ist.
    Achtsamkeit kann schon früher einsetzen, z.B. wenn wir zum Wasserhahn greifen und spüren wie wir diesen aufdrehen und dann Wasser auf unsere Hände fließt. Wir können wahrnehmen, wie sich die Temperatur langsam ändert und ob wir das angenehm oder unangenehm empfinden. Wir können uns auch entscheiden, nach dem Befeuchten der Hände den Wasserhahn achtsam zu zudrehen, um Wasser zu sparen, während wir die Hände einseifen.
  2. Seifen Sie dann die Hände gründlich ein – sowohl Handinnenflächen als auch Handrücken, Fingerspitzen, Fingerzwischenräume und Daumen. Denken Sie auch an die Fingernägel. Hygienischer als Seifenstücke sind Flüssigseifen, besonders in öffentlichen Waschräumen.
  3. Reiben Sie die Seife an allen Stellen sanft ein. Gründliches Händewaschen dauert 20 bis 30 Sekunden.
    Spüren Sie die Berührung der Hände gegeneinander in den verschiedenen Regionen der Hand, die Temperatur, das Gefühl der Seife auf der Haut, vielleicht das Geräusch von platzenden Seifenblasen, den Geruch der Seife. Summen Sie vielleicht ein Lied, wenn sie dazu neigen die 20-30 s zu verkürzen.
  4. Danach die Hände unter fließendem Wasser abspülen. Verwenden Sie in öffentlichen Toiletten zum Schließen des Wasserhahns ein Einweghandtuch oder Ihren Ellenbogen.
  5. Trocknen Sie anschließend die Hände sorgfältig ab, auch in den Fingerzwischenräumen. In öffentlichen Toiletten eignen sich hierfür am besten Einmalhandtücher. Zu Hause sollte jeder sein persönliches Handtuch benutzen.
    Sie können Dankbarkeit im Stillen aussprechen dafür, dass Ihnen jederzeit ohne Anstrengung sauberes und fließendes Wasser zur Verfügung steht. Spüren Sie beim Abtrocknen die Berührung der Hände und beim Trocknen das Handtuch oder einen Lufttrockner oder spüren Sie, wie die Hände an der Luft trocknen und dabei ihre Temperatur verändern.
    Spüren Sie vielleicht auch den Drang sich anschließend mit frischgewaschenen Händen das Gesicht berühren zu wollen.

2. Hände-Meditation: Achtsamer Hände-Check

Kommen Sie einen Tag lang immer wieder mit der Achtsamkeit zu Ihren Händen und nehmen wahr, was sie berühren, was sie berühren wollen und wie genau sich dies anfühlt.
Nehmen Sie sich den ganzen Tag über immer wieder einen Moment Zeit, um sich mit Gewahrsein bei Ihren Händen zu melden. Was tun sie da? Was haben sie gerade berührt? Greifen sie nach etwas? Fummeln sie? Kratzen sie an einer juckenden Stelle? Sind sie angespannt und feucht, oder ruhig und gelassen? Was sagen Ihnen in diesem Moment Ihre Hände über Ihren aktuellen Zustand des Geistes?

 

 3. Hände-Meditation: Gesicht (nicht) berühren

Versuchen Sie wenn möglich wahrzunehmen, wann der Impuls entsteht, mit den Händen ins Gesicht greifen zu wollen. Wir tun dies alle oft und automatisch. Dafür brauchen wir uns nicht zu kritisieren. Dies ist eine schwierige Übung.

 

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