Der Mittlere Weg ist vielmehr ein erfahrungsbasiertes Lebens- und Bewertungsprinzip, das sich darauf konzentriert, wie wir auf unsere Erfahrungen reagieren, und keine Aussage darüber, wie Dinge letztendlich sind. Als solches entfaltet sich der Mittlere Weg vollständig innerhalb der immer vorläufigen und mehrdeutigen Welt unseres Lebens als ethische Lebewesen, die immer auch auf unsicherem Boden stehen.
Der Mittlere Weg bezeichnet im Buddhismus die Praxis, die Extreme von Genusssucht und Selbstkasteiung zu vermeiden, wie sie in Buddhas erster Lehrrede im Hirschpark von Sarnath beschrieben wurden. Solche Extreme zu vermeiden ist jedoch nur ein nützliches Beispiel, um ein weit umfassenderes Prinzip zu veranschaulichen. Der Mittlere Weg ist eine Metapher für eine ganzheitliche Lebensweise, die auf alle metaphysischen Verabsolutierungen und Wahrheiten verzichtet. Denn verkündete Wahrheiten und Verabsolutierungen sind auch Extreme, indem sie keinen anderen Standpunkt zulassen.

Im weiteren Sinne wird der Begriff Mittlerer Weg auch als Synonym für den achtfachen Pfad benützt.

Literatur: Buddhas Mittlerer Weg von Robert. M. Ellis, 2021