Was sind die ethischen Grundsätze des säkularen Dharma?

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Von Buddha-Stiftung

Veröffentlicht 24. März 2021

Da der säkulare Dharma das Wort des Buddhas nicht als eine absolute Wahrheit ansieht, sind die Praktizierenden selbst dafür verantwortlich zu entscheiden, welche ethischen Grundsätze ihr Leben leiten sollen. Säkulare Buddhistinnen haben verschiedene Wege gefunden, diese Herausforderung anzugehen.

Ethik in den traditionellen Gemeinschaften: ein Regelwerk

Traditionelle buddhistische Schulen neigen dazu, strenge Regeln wie den Vinaya-Verhaltenskodex für Mönche und die fünf Gebote für Laien zu befolgen. Während die meisten säkularen Buddhistinnen verstehen, warum solche Regeln notwendig waren, lehnen sie strenge Interpretationen ab und ziehen es vor, ethische Prinzipien auf die aktuell gegebene Situation zu beziehen (Situationsethik).

Da jeder Moment  für sich genommen einzigartig ist, so noch nie dagewesen und in seiner Einzigartigkeit nicht wiederholbar ist, ist auch eine ethische Antwort auf eine Situation immer einzigartig und kann nicht durch allgemeine Gebote und Regeln situationsgerecht erfolgen. Säkulare Buddhisten versuchen sich einem ethisch-moralischen Dilemma zu nähern, indem sie sich fragen:  “Was ist eine kreative und mitfühlende Antwort auf diese Situation?” oder “Welche Handlung würde aus Liebe erwachsen?”.

Säkulare buddhistische Ethik: Fürsorge

Ein gängiger Ansatz der säkularen buddhistischen Ethik basiert auf Empathie als Grundlage von Fürsorge – ein Ausdruck der goldenen Regel: “Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest.”

Fürsorge – im Sinne der Fürsorge für uns selbst und für andere, sowie der Fürsorge für das, was hier und jetzt geschieht – ist ein Schlüsselaspekt der Ethik, der kultiviert und entwickelt werden soll.

Die letzten Worte, die der Buddha laut dem Pali-Kanon sprach, waren: “Alle konditionierten Phänomene sind unbeständig, strebe fleißig weiter”, oder “schreite mit Sorgfalt voran”. Das ursprünglich verwendete Pali-Wort ist appamada, in dem sowohl Gewissenhaftigkeit, Sorgfalt als auch Fürsorge anklingt. Appamada umfasst nicht nur eine Praxis der Achtsamkeit, sondern auch der Nicht-Reaktivität beziehungsweise der Freiheit von Begierde, Abneigung und Verblendung.

Siddhartha Gautama (Pali: Siddhatta Gotama) beschrieb Fürsorge als die eine Tugend, die alle anderen umfasst, indem er die Metapher des Fußabdrucks eines Elefanten verwendete, der so groß ist, dass er die Fußabdrücke aller anderen Tiere in sich aufnehmen kann. Fürsorge beinhaltet mehr als nur wachsam oder aufmerksam zu sein, Fürsorge hat eine klare ethische Qualität, eine energetische Wertschätzung dessen, was wir für gut halten.

Wenn wir uns in Fürsorge und Achtsamkeit üben, bemerken wir bewusst, wann der Geist auf Autopilot schaltet, und unser Leben wird immer präsenter, aufmerksamer, lebendiger und achtsamer.

Teile des Beitrags entstammen unserer Übersetzung des Artikels veröffentlicht als „What are secular dharma’s ethics?“ in Buddhism for Beginners in Tricycle: The Buddhist Review. Mit freundlicher Genehmigung unserer Freunde von Tricycle.

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