Bewusstseinsethik und die goldene Regel als universale Basis ethischen Handelns

 

Vom 19.-21.10-2018 trafen sich auf Einladung der Buddha-Stiftung Heidelberg Experten aus Philosophie (Brigitta von Wolff-Metternich), Soziologie (Werner Vogd) und Neuroethik (Thomas Metzinger) mit bekannten Vertretern des säkularen Buddhismus (Stephen Batchelor, Sylvia Wetzel).

Das ausgebuchte „2. Symposium säkularer Buddhismus“ im Internationalen Wissenschaftsforum der Uni Heidelberg beleuchtete die Entwicklung der Ethik von der Antike über Kant bis zum radikalen Konstruktivismus. Der westlichen Geschichte gegenübergestellt wurde die Ethik des Pali-Kanons, der ältesten überlieferten Quelle des Buddhismus. Dabei zeigten sich zahlreiche Parallelen zwischen der Ethik des säkularen Buddhismus und bekannten philosophischen Denkern wie Epikur, Lukrez, Montaigne oder Camus.

Einig waren sich die Redner in der abschließenden Podiumsdiskussion, dass eine normative Ethik klassischer Prägung keine Lösung für die dringend notwendige universale Ethik sein wird. Kritisch gesehen wurde auch, dass von der Philosophie heute in vielen Bereichen der angewandten Ethik (z.B. Medizin, Wirtschaft, Technik) verlangt wird, ethische Vorgaben zu formulieren, die eigentlich von den Akteuren selbst bzw. der Gesellschaft formuliert werden müssten.

Als ein globaler ethischer Grundpfeiler wurde die goldene Regel angesehen, die durch alle Wirren der Geschichte und in unterschiedlichen Kulturen bis heute überlebt hat und sich als Handlungsgrundlage bewährt hat. Die goldene Regel berührt den zentralen Punkt der Ethik, die soziale Interaktion und Empathie mit dem Anderen. Sie ist zugleich für jeden verständlich und doch schwierig zu leben.

 

Empathie und Mitgefühl als verbindendes Element

 

Im Buddhismus nimmt die in der goldenen Regel angesprochene Empathie als Mitgefühl zentralen Raum ein. Mitgefühl mit allen Lebewesen ist nicht nur ein Bewusstseinszustand, der in verschiedenen Übungen aktiv kultiviert wird, sondern Grundlage eines ethischen und achtsamen Lebens.

 

Bewusstseinskultur und geistige Autonomie

 

Dem zunehmenden Anspruch auf individuelle Selbstverwirklichung der Gesellschaft gegenüber wurde von philosophischer und buddhistischer Seite die Kultivierung der Autonomie des Bewusstseins auf der Basis von Achtsamkeit und Vernunft gegenübergestellt. Gefordert wurde, ein solches Modell schon im Schulalter praktisch zu vermitteln, um die zukünftige Generation fit zu machen für ein selbstverantwortliches, ethisches Leben, unabhängig vom individuellen kulturellen Kontext.

Praktische Übungen zur säkularen buddhistischen Ethik mit Verweisen auf zentrale Ideen westlicher Ethiker ermöglichte im Anschluss an das Symposium den Teilnehmern, sich selbst zu reflektieren. Auf Wunsch der Teilnehmer ist eine Fortsetzung der Reihe „Säkularer Buddhismus“ der Buddha-Stiftung im kommenden Jahr im November schon in Planung.

INFO zum 3. Symposium säkularer Buddhismus 2019 hier >