Einführung achtfacher Pfad

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Der achtfache oder achtgliedrige Pfad ist sowohl für traditionelle als auch für säkulare Buddhisten von herausragender Bedeutung. So ist das Verständnis von Dukkha – dessen Ursache und Linderung – grundlegend mit einem Pfad verbunden, der unsere Art zu denken, zu handeln und unsere Geistesschulung durch Meditation verändert. Dieser Pfad umfasst acht Elemente zur Kultivierung von ethischem Handeln, meditativer Praxis und Weisheit: Der Edle Achtfache Pfad.

Traditionelle Sicht des achtfachen Pfades

Der Theravāda-Mönch Bhikkhu Bodhi erläutert diese grundlegende Verbindung in der Einleitung zu seinem Buch Der Edle Achtgliedrige Heilsweg: Der Weg zur Beendigung des Leidens (S. 3):

Die innere Einheit des Dhamma (Dharma) wird durch die Tatsache gefestigt, dass die letzte der Vier Edlen Wahrheiten, die Wahrheit des Weges, der achtgliedrige Heilsweg selbst ist, während der erste Bestandteil des achtgliedrigen Heilsweges, die rechte Anschauung, das Verstehen der Vier Edlen Wahrheiten ist. Auf diese Weise durchdringen sich die beiden Grundsätze und schließen sich einander ein: In der Formulierung der Vier Edlen Wahrheiten ist der Heilsweg enthalten und im Edlen Achtgliedrigen Heilsweg sind die Vier Wahrheiten enthalten.

Säkulare Sicht des achtfachen Pfades

Stephen Batchelor stimmt zu, dass die Vierfache Aufgabe (seine Neuinterpretation der Vier Edlen Wahrheiten) und der Achtgliedrige Pfad in einer Philosophie und Praxis menschlichen Gedeihens untrennbar miteinander verbunden sind. Seine Analyse unterscheidet sich jedoch in mehrfacher Hinsicht vom traditionellen buddhistischen Verständnis, einschließlich seiner Ansicht, dass dessen Ziel nicht ein Endzustand vollständiger und endgültiger Befreiung von Dukkha ist, sondern eine „Kultur des Erwachens“, in der die Menschen in dieser Welt so ethisch und sinnstiftend wie möglich leben.

Stephen betont zwei Punkte, die seine säkular-buddhistischen Sichtweise des Achtgliedrigen Pfads ausmacht. Zum einen geht es beim Achtgliedrigen Pfad nicht darum, einem Satz von Geboten für unser Verhalten oder unsere Meditationspraxis zu folgen, der dann in unserem Leben Anwendung findet. Stattdessen sollten wir unser Leben unter Berücksichtigung der acht Glieder oder Elemente führen, so dass wir in der Lage sind, in kreativer, fürsorglicher und mitfühlender Art und Weise auf alle Situationen zu reagieren, denen wir begegnen, statt blind vorgegebene Verhaltensregeln zu befolgen. Dadurch begegnen wir den Besonderheiten jeder Situation mit Aufmerksamkeit und Sorgfalt.
Zum anderen geht es anders als beim traditionellen buddhistischen Verständnis des Edlen Achtfachen Pfads nicht um eine vollständige und endgültige Befreiung von Dukkha oder Leiden. Für Stephen besteht der Leitgedanke des Achtgliedrigen Pfads darin, so geschickt und offen wie möglich zu leben, um den Widrigkeiten des Lebens zu begegnen. Zudem beschreiten wir den Achtgliedrigen Pfad nicht nur, um uns als Individuen zu entwickeln, sondern um das zu schaffen, was Stephen eine Kultur des Erwachens nennt, eine Gesellschaft, die menschliches Gedeihen begünstigt und fördert.

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