Nichts kritiklos übernehmen, Autorität hinterfragen

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autorität skepsis

Säkularer Buddhismus ist eine Bewegung und keine festgefügte Gruppe

Der säkulare Buddhismus ist weder eine buddhistische “Schule” mit festgefügten Lehrmeinungen, noch gibt es Lehrer, die von sich behaupten, den wahren Weg zu kennen. Säkularer Buddhismus ist eine offene Bewegung von Menschen, die Buddhas Lehre in unterschiedlicher Weise praktizieren. Die Praktizierenden organisieren sich selbst in Netzwerken, in Deutschland im Säkularen Buddhistischen Netzwerk (SBN).

Vordenker statt Meister

Im säkularen Buddhismus gibt es keine Meister, repräsentierende Lehrer oder Gurus. Ein Vordenker der reformatorischen Ansätze ist Stephen Batchelor, ein freier buddhistischer Lehrer, ehemaliger buddh. Mönch und Autor zahlreicher Bücher. Er ist einer der  Vordenker des säkularen Buddhismus. Diese Vordenker sehen sich im Sinne der Gleichheit aller jedoch weder als Leiter einer Gruppe noch als Führer einer Bewegung.

Glaube nichts, ohne es vorher zu prüfen

Ein typisches Element des säkularen Buddhismus ist eine skeptische, d.h. kritisch hinterfragende  Grundhaltung, die historische Lehrreden und Übersetzungen von Buddhas Lehre z.B. im Palikanon hinterfragt und nicht kritiklos übernimmt. Diese Einstellung wurde von Gotama selbst als ein wesentlicher Faktor angesehen für die Menschen, die sich auf den buddhistischen Weg machen, wie er in der “Rede an die Kalamer” ausführte.

Geht nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität  heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftsgründen und  logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und  bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher  Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters! (Buddha)

Rede an die Kalamer (Kalama-Sutta)

„Es kommen da, o Herr, einige Asketen und Brahmanen nach Kesaputta; die lassen bloß ihren eigenen Glauben leuchten und glänzen, den Glauben anderer aber beschimpfen, schmähen, verachten und verwerfen sie. Wieder andere Asketen und Brahmanen kommen nach Kesaputta, und auch diese lassen bloß ihren eigenen Glauben leuchten und glänzen, und den Glauben anderer beschimpfen, schmähen, verachten und verwerfen sie. Da sind wir denn, o Herr, im Unklaren, sind im Zweifel, wer wohl von diesen Asketen und Brahmanen Wahres, und wer Falsches lehrt.“ – „Recht habt ihr, Kalamer, dass ihr da im Unklaren seid und Zweifel hegt. In einer Sache, bei der man wirklich im Unklaren sein kann, ist euch Zweifel aufgestiegen.  Geht, Kalamer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen,  nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität  heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftsgründen und  logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und  bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher  Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters! Wenn ihr aber, Kalamer, selber erkennt: Diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden‘, dann o Kalamer, möget ihr sie aufgeben.“

(Kalama-Sutta, Anguttara Nikara, 3-66)

Siehe auch Stephen Batchelor ” Jenseits des Buddhismus” S. 41-43

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